Von Trainingspartnern zu Olympiastartern

Laura Vargas-Koch und Sebastian Seidl waren bei den Olympischen Spielen in London 2012 als Trainingspartner dabei. Vier Jahre später stehen sie in Rio selbst auf der Matte.

20.07.2016 von [Lino Hermanns]

Als amtierende U23-Europameisterin reiste Laura Vargas-Koch 2012 mit der Nationalmannschaft nach London. Ihre Aufgaben als Trainingspartnerin vor Ort bestanden unter anderem darin, die anderen Athleten auf und neben der Matte zu unterstützen, ihnen die Anspannung zu nehmen und auch mal für gute Stimmung zu sorgen. „Natürlich bin ich gerne jeder Zeit für jede da, die mich braucht“ sagte sie damals im Vorfeld der Olympischen Spiele in London.

Im Nachhinein kann man festhalten, dass diese Erfahrung wichtig für ihre sportliche und persönliche Entwicklung war. Bei der bedeutendsten Sportveranstaltung der Welt dabei zu sein, Sportler aus aller Welt zu treffen und die oft zitierte „Olympialuft“ zu schnuppern ist ein Privileg. Man sagt ja nicht umsonst, wer einmal bei den Olympischen Spielen war, will immer wieder dorthin.

Ihr Ehrgeiz und der unbedingte Wille in Rio 2016 dabei zu sein, ist durch diese Erfahrung stetig gewachsen.  Schon damals setzte ihre Teilnahme als Trainingspartnerin zusätzliche Motivation frei: „Natürlich würde ich selber gerne in vier Jahren zu den Olympischen Spielen fahren. Es ist toll, hier schon mal einen Eindruck zu bekommen, was einen vielleicht erwarten könnte“, sagte sie und schob gleich noch hinterher: „…und es ist auch eine fantastische Motivation.“

Sebastian Seidl formulierte seine Ziele damals schon deutlicher und selbstbewusster: „2012 schnuppere ich Olympialuft als Trainingspartner, 2016 will ich selbst auf der Matte stehen“. Wer seine Zukunft und seine Ziele so geradlinig verfolgt,  der wird auch erfolgreich sein. Gesagt, getan. In wenigen Tagen startet der Flieger nach Rio.

Seidl bereitete sich auf seine Rolle als Trainingspartner beinahe so vor wie auf einen eigenen Wettkampf. Diese Akribie ist für einen damals 22-Jährigen sehr beeindruckend. „Ich sehe mir ebenso wie die Starter Videos der möglichen Gegner an.“ Ziel dieser Arbeit ist die Imitation von Kampfstilen der möglichen Gegner. „Damit ich diese in der speziellen Vorbereitung anwenden kann und die Starter darauf eingestellt sind“.

Starke Entwicklung

Beide Athleten haben ihren Worten von damals Taten folgen lassen und in den letzten vier Jahren eine positive sportliche Entwicklung genommen. Neben diversen Top-Platzierungen bei Grand Slams und Grand Prixs haben sie zudem bei Welt- und Europameisterschaften überzeugt.

Sebastian Seidl hat ein Jahr nach den Olympischen Spielen in London mit dem Team sowohl bei der Welt- als auch Europameisterschaft Bronze gewonnen. Zwei Jahre später konnte er bei den European Games in Baku den dritten Platz in der Gewichtsklasse bis 63 kg erkämpfen und scheiterte bei der Weltmeisterschaft in Astana nur knapp an einer Top 3-Platzierung.

Laura Vargas-Koch konnte sich bei der Europameisterschaft 2013 sowohl im Team als auch im Einzel den dritten Platz sichern. Ihr größter Erfolg war sicherlich der Vizeweltmeistertitel 2013 in Rio de Janeiro. Ein gutes Omen für die sympathische Mathematik-Doktorandin. Bei den Europameisterschaften 2014 und 2015 erkämpfte sie sich jeweils den zweiten Platz.

Neben ihrer erfolgreichen sportlichen Entwicklung haben Laura Vargas-Koch und Sebastian Seidl eines gemeinsam. Sie leben den Teamgedanken und sind sehr ehrgeizig. Und wer weiß, vielleicht stehen sie in Rio auf dem Treppchen.